Märchen für kleine Leute

Märchen für Kinder


Märchenhafte Kindergeschichten

von Riesen und Zwergen

erdacht und erträumt in eigener Schreibwerkstatt


Vorschau:


in Riesenstreit oder wie aus dem unglücklichen Riese ein glücklicher Riese wurde

Nie hatte der Riese mit dem Schaufelbaggerhänden sich Gedanken gemacht über seine großen Hände. Doch der unglückliche Riese wollte ihm das einfach nicht glauben...



Der Zauber des Kristallberges

Teil 3

Es war ein sonniger Oktobertag, als der traurige Riese, der Riese mit den Schaufelbaggerhänden und die zwölf Zwerge einen Ausflug in das benachbarte Zaubertal unternahmen. Der traurige Riese setzte sich sechs Zwerge auf die Schultern und der Riese mit den Schaufelbaggerhänden nahm die anderen sechs Zwerge. Die Zwerge freuten sich über die himmlische Aussicht. Die Sonne schien. Es war ein wunderbarer Tag. Das Herbstlaub glitzerte golden und orange.  Schließlich war es Zeit für eine Pause. Sie rasteten in der Nähe eines Kristallberges.

„Was ist das für ein Kristallberg?“, fragte der Zwerg mit der roten Mütze.

„Vielleicht werden dort Zauberkristalle abgebaut?“, überlegte der Zwerg mit der gelben Mütze

„Kommt, wir gucken uns den Berg einmal genauer an,“ antwortete der Zwerg mit der grünen Mütze.

Sie betraten einen verwunschenen Garten. Einige Mauerreste standen dort umrankt und umwuchert von Kräutern und Schlingpflanzen. Wilde Rosen rankten sich um einen Rosenbogen.  Wo man auch hinsah, sah man die  warmen Farben des Herbstes.

An dem Eingang selbst hing ein Schild, darauf stand:  Hier wohnt die Märchenerzählerin.

Die zwölf Zwerge klopfte an die Tür, während die beiden Riesen dösten und schon bald fest einschliefen. Hast du schon einmal einen schlafenden Riesen geweckt? Ach herrje, das ist glaube ich, gar nicht möglich. Irgendwann werden sie von selber wach. Aber wann?

Eine Frau mit welligen goldenen Haaren öffnete die Tür. Sie trug ein bodenlanges Kleid aus Samt und Seide

„Oh eins, zwei, drei....zwölf Zwerge. Ihr wollt sicher alle einen schönen warmen Kakao trinken?“, fragte sie.

Ja, das wollten die Zwerge. Sie traten ein. Um sie herum glitzerte und funkelte es.  Schön war es hier. Die Zwerge fühlten sich gleich wohl. „Können wir ein paar Tage bei dir bleiben?“

„Ja, darüber würde ich mich freuen. Der Kristallberg hat viele Kammern und Stuben. Es ist Platz für euch alle da.“

Die Tage vergingen. Die Riesen schliefen. Die Märchenerzählerin und die Zwerge spielten und lachten zusammen. Doch schon bald zogen graue Regenwolken auf. Ein Poltern war zu hören. Dunkler Nebel verbreitete sich im Kristallberg. Aus dem Nebel  heraus trat der Zauberer Fürchterlich. 

„Ein Kristallberg! Oh! Wie herrlich! Ihr Zwerge werdet die Kristalle abbauen für mich!“,polterte er und lachte höhnisch. Er zauberte zwölf Hacken herbei. Nun mussten die Zwerge vom frühen Morgen  bis spät in die Nacht harte Arbeit tun. Sie waren so oft so müde. Sie hatten gar keine Zeit mehr zum Spielen.  Ach, würden doch die Riesen endlich einmal wach werden und nach Ihnen sehen.

Weil die Zwerge so traurig waren, fing die Märchenerzählerin an, Ihnen Märchen zu erzählen. Da geschah etwas Wunderbares: Die Kristalle leuchteten hell in den schönsten Farben. Mit jedem erzählten Märchen leuchtete der Kristallberg ein wenig mehr.

Als der Zauberer das sah, wusste er, dass er seine Macht verloren hatte. Denn die Märchen waren stärker  als das Böse. Mit Dampf und Getöse verließ er schimpfend den Kristallberg.

Die Zwerge und die Märchenerzählerin feierten ein fröhliches  Abschiedsfest. Sie versprachen einander, sich bald wieder zu besuchen.

Als die Zwerge bei den Riesen ankamen, rekelten sich diese gerade, setzten sich auf, hoben die Zwerge auf ihre Schultern und gingen nach Hause.


 

Der Riese, der sich aus dem Ei pellte

Teil 2

Es war einmal eine Riesin. In ihrem Bauch wuchs ein Ei heran. Als die Riesin spürte, dass es an der Zeit war, grub sie ein Loch in den schwarzen Mutterboden. Darin legte sie das Ei. Sie ging fort, für eine Weile nur. Es kam der Regen mit Macht. Er unterspülte einen Berghang. Der Berghang  stürzte auf das Nest der Riesin. Sie fand es nicht mehr. Die warme Erde aber wärmte das Ei, so dass es dem kleinen Riesen darin schon bald zu eng wurde. Er brach die Eierschale entzwei. Riesen werden mit der Sehnsucht nach der Sonne geboren. Kaum war der Riese auf der Welt, fing er an zu graben. Doch er grub immer weiter hin zur Mitte der Erdkugel. Da traf es einen Regenwurm.

"Bin ich auf dem richtigen Weg?“, fragte der Riese.                                                                                   

„Ja ,wenn du den anderen Weg nimmst, dann kommst Du womöglich an einem Angelhaken und es wird dir schlecht ergehen,“ sprach der Regenwurm.                                                   

Er traf auch einen Maulwurf.     

„Bin ich wirklich auf dem richtigen Weg?“, fragte der Riese.       

„Oh, ja! Wenn du den anderen Weg nimmst, tappst du womöglich in eine Maulwurfsfalle. Ach, da kann ich dir Geschichten erzählen, schrecklich!“, stöhnte der Maulwurf.


Die Zeit verging. Auf der Erde lachten die Kinder, blühten die Bäume, trugen Frucht, die bunten Blätter fielen hinab, glückliche Kinder spielten im Schnee und immer, immer war die Sonne da. Nur manchmal sah man sie nicht, weil sie von Wolken verhangen war.


Da der Riese so eifrig grub, wurden seine Hände größer und größer. Ach, noch viel größer als Baggerschaufeln. Eines Tages kam er an der anderen Seite der Erdkugel heraus. Der Wind wehte um seine Nase. Er richtete sich auf. Die Wolken streiften seine Schultern.  Es war Nacht. Auf eine der Wolken saßen zwölf Zwerge.    

„Sieh mal ein Riese!“, rief der Zwerg mit der roten Mütze.          

„Der sieht so hilflos aus,“ spürte der Zwerg mit der gelben Mütze.                                                             

„Wir sollten ihn mal fragen, ob wir ihm helfen können,“ überlegte der Zwerg mit der grünen Mütze.

Als die Wolke in die Nähe des Riesen wehte, sprangen alle zwölf Zwerge von der Wolke auf seine Schultern.

„Hallo Riese! Können wir dir helfen?“, erschallte es in einem Chor.

Doch der Riese war so beschäftigt mit seiner Ratlosigkeit, dass er sie gar nicht hörte. Da kam ein Vöglein geflogen. Es flüsterte in sein Ohr: „Schau mal die Zwerge auf deiner Schulter, die möchten dir helfen.“  

Er blickte sich um: „Ich suche etwas und weiß nicht was. Wie kann ich es finden?“

Der Zwerg mit der gelben Mütze überlegte: „Warte ab, bis der Morgen kommt. Bei Tageslicht siehst du mehr.“

„Warten? Ich muss doch was tun?“, fragte der Riese mit den Baggerschaufelhänden.

„Manchmal muss man auch nichts tun,“ antwortete der Zwerg mit der gelben Mütze.

Schließlich brach der Tag herein. Das Sonnenlicht spielte mit seinem Strahlen auf der Erde. Der Riese schaute sich verwundert um. Jetzt wusste er, dass er gefunden hatte, wonach er suchte: Die Sonne! Da fing er an zu lachen vor Freude, so dass die Erde bebte. Das Beben fühlte Mutter Riesin, die gar nicht so weit entfernt war. Ach solange schon suchte sie nach ihrem Kind. Sie folgte ihrem Herzen  und endlich fand sie ihn. Der Riese mit den Schaufelbaggerhänden, der unglückliche Riese, Mutter Riese und die zwölf Zwerge feierten nun ein Riesenwiedersehensfest.



 Der unglückliche Riese

Teil 1

 

In einer Baumhöhle lebten einmal zwölf Zwerge. Der alte knorrige Baum stand im Tal eines Gebirges. Die Zwerge lebten glücklich und zufrieden. Sie pflückten die Früchte und die Pilze des Waldes, sprachen mit Hase, Fuchs und Reh, hörten ihre wunderbaren Geschichten. Sie lauschten dem Gesang der Vögel, dem Summen der Bienen und den Flügelschlägen der Schmetterlinge.


Eines Tages hörten die Zwerge ein Grollen. Sie erschraken sich sehr. Ganz vorsichtig verließen Sie ihre Höhle, um zu schauen, was geschehen war.


Auf einem der Berge saß ein großer Riese und ließ die Füße baumeln.


"Was machen wir denn jetzt?", fragte der Zwerg mit der roten Mütze.

"Wir müssen ihn vertreiben!", antwortete der Zwerg mit der gelben Mütze. Der Zwerg mit der grünen Mütze hatte schließlich die Idee: "Wir sollten Ihn mit unseren Mistforken piksen."


Damit waren alle einverstanden. Das war ein guter Einfall. Mit großer Mühe wanderten sie den Berg höher und höher, bis sie die Waden des Riesen erreicht hatten. Dann pikten sie ihn mit aller Kraft.


Doch der Riese bemerkte es nicht einmal. Ein kleiner Vogel flog an sein Ohr: "Schau mal! Die Zwerge piksen dich, wie gemein!"


Der Riese schaute an sich herab. Da sah er in die hasserfüllten Gesichter der Zwerge. Und was dann geschah? Du glaubst es nicht! Der Riese fing an zu weinen. Auch Riesen haben ein Herz. Niemand mochte ihn. Das war ja gar nicht zu ertragen. Der Riese weinte und weinte. Habt Ihr eigentlich ein Ahnung, wie groß so eine Träne ist? So groß wie ein Kürbis!


Da der Riese so bitterlich weinte und gar nicht aufhören wollte mit Weinen, füllte sich das Tal mit seinen Tränen. Das Wasser stieg und stieg bis zu den Knien des Riesen. Die Zwerge konnten doch nicht schwimmen. Nun plantschten sie im Wasser. Ach wie verzweifelt waren sie!


Der Riese bemerkte das gar nicht in seinem Kummer. Doch da kam wieder der kleine Vogel an sein Ohr geflogen: "Guck doch mal an dir herab. Die Zwerge!


Der Riese schniefte ein letztes Mal und zog einen Zwerg nach dem anderen aus dem Wasser und setzte sie auf die Bergspitze.


Die Sonne schien so hell und freundlich, dass das Tal bald wieder trocken war. Ein kleiner See war geblieben. Er wurde der Tränensee genannt.


Die Zwerge und der Riese aber waren von nun an die besten Freunde.

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