Die Märchenerzählerin aus Lübeck erzählt Märchen und märchenhafte Geschichten zum Träumen, Aufwachen und Schmunzeln

Erträumt- und Erdachtes

copyright by Marietta Jeannette Rohde

...diesen Text habe ich vor 25 Jahren geschrieben


Für meine Tochter


Gerade habe ich Dich zu Bett gebracht,

höre noch Deinen schlaftrunkenen Protest.

Hier bist Du in Sicherheit,

doch ich denke an die Zeit,

in der Du selbständig 

Deine kleine Welt eroberst.


Denke an all´ die Gefahren,

die Dich begleiten werden

auf Deinem Weg,

wie ich Dich behüten und beschützen könnte.

Mit einem leisen Anflug von Ohnmacht

wird mir immer wieder bewusst,

ich kann Dir keine Welt erbauen

aus Samt und Seide,

aus Watte und guten Feen.


Mir bleibt das Gottvertrauen,

das Lachen von Dir und mir,

der Reigen der Engel um uns

und die Freude auf den nächsten Tag!

Mai

A

Rande

Immer

Eis

Tautropfen

Tränken

Anemonen

Titelblatt


In dem Gesicht

auf dem Titelblatt

siehst Du keinen Wechsel

von Licht und Schatten

keine verlorenen Träume

keine errungenen Siege

keine Fältchen

keinen Makel

nicht einmal Sommersprossen


copyright Marietta Jeannette Rohde


In der Tiefe


Wenn zwei Menschen

sich

in der Tiefe

begegnen

dann bleibt etwas

für immer


Fliegen


Wäre ich ein Adler

eine Königin

mächtig

und frei


wärest Du

der Wind

unter meinen

Flügeln

und trügest mich heim

für Axel



Uneinsichtiger Abschiedsbrief


Ich wollte Dir

einen Abschiedsbrief  schreiben

neutral und objektiv

doch in jedem einzelnen Wort

steckte ein ganzer Liebesbrief


Mein Kind


Da radelst Du vor mir

Deine Haare

wehen im Wind

Du bist mein Kind


und während Du

immer schöner wirst

werde ich

immer weiser

Das ist das Spiel

die Zeit


Da radelst Du vor mir

und bald schon

aus meinem Leben


Blau


Das Blau Deiner Augen

so klar und so weit

wie der Himmel

in Dir

so tief und so still

wie das Meer in mir

Gottes Gnade


Deine Liebe

ebnete mir

den Weg


und umzäunte

den Abgrund

mit Gnade...


...schon bevor

ich Dich

kannte

Die Gewandung des Richters


In der Gewandung

eines Richters

lebt es sich leicht


Doch hinter den Mauern

der Selbstgerechtigkeit

lauert

die Einsamkeit

Vor Anker gehen

Kommen die dunklen Tage

mahnen sie mich


Lauf nicht fort

bleib in Dir

Halte aus

was gerade ist


Der Schmerz wird kleiner

wenn du ihn

durchlebst